Kurze Auswertung zum Zwischentag und zu den Gegenaktionen

NoZwischentag in Erlangen“ – Aktionen gegen die rechte Messe ’Zwischentag’

Lauti

Am Samstag, den 4. Juli, versammelten sich circa 350 Teilnehmer_innen in Erlangen vor der Burschenschaft Frankonia um ein Zeichen gegen die rechte Messe „Zwischentag“ zu setzen und dort zu demonstrieren.


Der 4. Juli – Tagesablauf Erste Blockadeversuche

Gegen 8:30 versammelten sich die ersten Teilnehmer_innen der Gegenproteste gegen den „Zwischentag“, schon in aller Frühe hatte es gut 30 Grad. Bereits am frühen Morgen war das Gebiet um die Frankonia herum weitläufigst durch die Polizei abgesperrt. Ein ganzer Wohnblock war mit Gittern verriegelt um Platz für Polizei und MessebesucherInnen zu schaffen und die Proteste und Presse weit möglichst abzuschotten (Pressevertreter_innen durften sich nicht vor dem Veranstaltungsort aufhalten– nur für kurze Zeit in Begleitung der Poilzeipressesprecherin). Eine angemeldete Kundgebung wurde circa 15 Meter vom Messeort genehmigt – auch hier mit Gittern und Polizei abgeriegelt. Gegen 9:15 bewegten sich schließlich zwei Gruppen von Gegendemonstrant_innen Richtung Zufahrtsstraßen zur Burschenschaft, um den Zugang für die Messebesucher_innen unmöglich zu machen. Nachdem ein erster Durchbruchsversuch glückte wurde die Gruppe unter massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock festgesetzt. Zwei weitere Gruppen wurden in der Nähe gekesselt und erst nach längerer Zeit und nach Personalienfeststellung, Durchsuchung und Abtasten entlassen. Polizeibeamtinnen waren bei den Kesseln nicht vor Ort, im Gegenteil – Frauen wurden von der Polizei angefasst, eine Demonstration mit einem Beamten in ein abgedunkeltes Auto gesperrt und das, obwohl mehrere Beamtinnen offenkundig im Einsatz waren und ein Anwalt mehrmals darauf hinwies, dass diese hinzuzuziehen seien. Zudem wurde der Kessel durch Polizeiautos so abgeschirmt, dass Sicht von außen kaum möglich war! Die festgenommen Personen bekamen zudem kein Wasser im Auto wurden hingegen weiter schikaniert. Nach dem Auflösen der Kessel waren weiterhin Demonstrant_innen an den Zufahrtswege um den ankommenden MesseteilnehmerInnen das Ankommen ungemütlich zu machen. Insgesamt gab es zwei Gruppen, die es erfolgreich bis vor die Frankonia-Gitter schafften, auf Grund ihrer Größe dort aber nicht für längere Zeit bleiben konnten.

Nazi Anwalt Stefan Böhmer auf der Kundgebung

Gegen Ende der Kundgebung, circa um 14:30 Uhr, verschaffte sich der Neonazi-Anwalt und Alte Herr der Frankonia. Stefan Böhmer, Zugang zur Kundgebung. Offensichtlich angetrunken torkelte er durch die Kundgebung. Mehrmals wurde er aufgefordert diese zu verlassen. Da er dieser Aufforderung nicht nachkam wurde er Richtung Frankonia geschoben. Unvermittelt schlug er nun einen der umstehenden Demonstranten ins Gesicht. Die Polizei griff erst jetzt ein und geleitete Böhmer freundlich zur Frankonia. Währenddessen wurden zwei Demonstranten brutal zu Boden geschmissen und kurzzeitig festgenommen, sodass der eine Verletzungen im Gesicht erlitt. Insgesamt waren das Polizeiaufgebot und ihre Gewalt gegen Demonstrant_innen unverhältnismäßig und übertrieben. Während Demonstrant_innen für Nichtigkeiten mit Schlagstock und Pfefferspray verletzt wurden (7 Verletzte) und drei Personen vorübergehend festgenommen wurden und von circa 50 Personen die Personalien festgestellt wurden – spazierten beim ‚Zwischentag‘ Personen mit tätowierten SS – Runen herum ohne, dass die Polizei Grund sah diese zu kontrollieren.


Die Messe „Zwischentag“

Rechte Verlage, Organisationen und Szeneprominenz erhofften sich durch ihr Treffen bei der Burschenschaft Frankonia eine bessere Vernetzung und eine Weiterverbreitung ihrer rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Ansichten. Das Treffen ist eines der Symptome für den sich verschärfenden rassistischen und nationalistischen Diskurs der europäischen Rechten in der Krise des Kapitalismus. Die von Götz Kubitschek und Felix Menzel ins Leben gerufene Messe fand nun zum 4. Mal, zum ersten Mal aber in Erlangen statt. Mit dem Selbstverständnis als rechte Elite wird sich von der NPD und Kameradschaften distanziert – nicht wegen deren menschenverachtender Ideologie, nicht wegen deren Affinität zu Nationalsozialismus und Gewalt, sondern wegen deren ungeschicktem öffentlichen Auftreten und ihres politischen Unvermögens. Was die intellektuelle Rechte unter diesem Unterschied versteht, führte Kubitschek auf der letzte Zwischentagsmesse aus: Während NPD und Kameradschaften von einer Pflicht sprechen, die „deutsche Rasse rein zu halten“, erklärt Kubitschek die Notwendigkeit,die „ethnische Kontinuität der Deutschen zu erhalten“ – Inhalt, Aussage und Aufforderung sind identisch, nur die Ausdrucksweise unterscheidet sich. Adressaten sind also intellektuelle Rechte – Neonazis in Nadelstreifen. Dass dieses Selbstverständnis aber höchstens ein vorgeschobenes ist wird nach einem Blick auf die Gästeliste des diesjährigen Zwischentags klar.


Zu den Gästen des „Zwischentags“

Der Teilnehmer_innenkreis umfasste alle Schattierungen des rechten Randes, von der Neuen Rechten bis zur extremen Rechten. Viele der Gäste kamen aus dem Pegida Umfeld oder aus Studentenverbindungen. Als ‚hochkarätigsten‘ Gast aus er militanten Neonaziszene ist Karl Heinz Hoffmann zu nennen, Gründer der Wehrsportgruppe Hoffmann. Zudem waren vor Ort: Axel Michaelis (Stellverteretender Landesvorsitzender NPD), Michael Mannheimer (rechter Autor und Blogger), Michael Stürzenberger (Die Freiheit) und Esther Seitz (Widerstand Ostwest). Aktivisten der Neonazi – Partei ‚der dritte Weg‘ rundeten den Teilnehmer_innenkreis ab. Insgesamt kann wohl zusammengefasst werden, dass die Zahl der Gäste gesunken ist im Vergleich zu den letzten Jahren. Schätzungen zufolge besuchten die diesjährige Messe maximal 120 Personen, was durchaus als Flop gewertet werden kann und damit einen Erfolg für uns darstellt. Gleichzeitig wurde bestätigt, wie rechtsradikal der ‚Zwischentag‘ gewertet werden kann und die Frankonia zeigte mal wieder deutlich ihr wahres Gesicht einer rechten Burschenschaft, die gerne mit verurteilten militanten Neonazis verkehrt. Das dies nun auch endlich im öffentlichen Diskurs in Erlangen angekommen ist, lässt sich als weiterer Erfolg werten.

Die Ballung bekannter, gewaltbereiter Neonazis beim Zwischentag macht klar, dass die Proteste gegen den Zwischentag richtig und sehr wichtig gewesen sind! Deswegen danken wir Allen die am Samstag in Erlangen trotz Hitze dabei waren! Unser antifaschistischer Protest wird weitergehen – Alerta antifascista!

Wenn ihr in Rahmen vom den Protesten gegen den Zwischentag, Opfer von Repression wurdet oder ihr noch Briefe bekommt – meldet euch bei uns: unter nozwischentag@gmx.de (nur Kontaktherstellung!)